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"Gottes Plan führte mich auch nach Geiselhöring"

Indischer Priester Mariyadas Peyyala war zwei Wochen Urlaubsvertretung in St. Peter

 


Der indische Priester Mariyadas Peyyala feierte mit den Geiselhöringer
Katholiken die heilige Messe.

 

Geiselhöring. Nachdem Neupriester Klaus Beck in der ersten Augusthälfte Stadtpfarrer Josef Ofenbeck in der katholischen Pfarrei Sankt Peter und Erasmus vertrat, folgte ihm der indische Priester Mariyadas Peyyala zwei Wochen als Urlaubsvertretung und vermittelte dadurch einen Hauch von Weltkirche: "katholisch" heißt ja aus dem Griechischen übersetzt "allumfassend, alles einschließend". "Der lateinische, also römisch-katholische Ritus der heiligen Messe in meiner Heimat ist der gleiche wie in Deutschland, nur die Sprache ist anders", erläuterte der Geistliche.

Seine glaubensstarken Predigten, sein begeistertes Reden von Gott und mit den Menschen brachte seine große Liebe zur Kirche Jesu Christi zum Ausdruck. Mir Freude sprach er auch von Büchern, dem Lesen und dem Lernen.

"Mein Vorname Mariyadas heißt ,Marias Diener' übersetzt", erklärte der junge Priester, dessen voller Taufname "Josef Marias Diener Christkönig" an die Heilige Familie erinnert. Seit seiner Kindheit sei er viel unterwegs und fern von daheim gewesen, berichtete der begnadete Theologe aus seinem Leben: "Geboren wurde ich in meinem Heimatdorf Indupally in Südostindien, das ist um einiges kleiner als Geiselhöring. Mit elf Jahren kam ich in ein Heim und ein Jahr später ins Priesterseminar." Sein christliches Elternhaus ließ in ihm den Wunsch entstehen, Priester zu werden. Diese Sehnsucht reifte in ihm im Priesterseminar in Poona immer weiter heran. "Ich habe drei jüngere Geschwister: Meine Schwester ist Nonne und seit sechs Jahren in Italien, ein Bruder von mir bereitet sich darauf vor, Priester zu werden, ein anderer Bruder hilft daheim den Eltern, die sich über uns freuen und stolz auf uns sind, beim Arbeiten."

 

Aufgrund seiner Begeisterung für Gott und seine Kirche, seiner Lernbereitschaft und Intelligenz, wurde Mariyadas Peyyala als Schüler und dann als Student neben den Eltern auch von seinem Heimatbischof finanziell unterstützt und wurde aufgrund seiner schulischen Leistungen und großen Fähigkeiten für die Universität ausgewählt. 2004 wurde der junge Theologe in der Heimatdiözese Vitayawada von seinem Bischof zum Priester geweiht.

 

Der Vatikan holte den hochbegabten Priester schließlich zum Studium nach Rom. Am Päpstlichen Athenaeum Sant'Anselmo, der internationalen Hochschule des Benediktinerordens, erweiterte und vertiefte er sein Studium. Insgesamt spricht Mariyadas Peyyala acht Sprachen: Neben seiner Muttersprache Telugu - in jedem Bundesstaat dominiert eine andere Sprache - und dem in Indien meist vorherrschenden Hindi, sind ihm Englisch, Latein, Griechisch und Französisch geläufig. Italienisch habe er für das Studium in Rom gebraucht und sein gutes Deutsch habe er sich anhand eines Grammatikbuches und nur vier Monaten Aufenthalt in zwei Jahren in Deutschland selber beigebracht: "Die genaue Aussprache habe ich von den Menschen in Deutschland und in Gesprächen mit ihnen gelernt."

 

"Die 2,5 Prozent Christen innerhalb der indischen Bevölkerung haben keine Privilegien", erzählte der Weltpriester, der somit kein Ordensangehöriger ist, "und können ihren Glauben nicht so frei leben wie in Europa." Das traditionelle Kastenwesen, die Aufteilung in gesellschaftliche und soziale Schichten, sei zum Teil auch im christlichen Indien spürbar. Sogar terroristische Angriffe auf Priester und Nonnen durch fanatische Gruppierungen würden leider immer wieder vorkommen: "Erst am 16. August ist ein Priester nach der heiligen Messe auf der Heimfahrt misshandelt und dann erschossen worden." Verglichen mit Nordindien sei es früher im Süden friedlicher gewesen, was sich inzwischen geändert habe. Christliche Schulen seien aber bei den Menschen in Indien sehr begehrt.

Am gestrigen Sonntag feierte der indische Priester zum letzten Mal mit den Geiselhöringer Katholiken die heilige Messe und dankte allen für die freundliche Aufnahme und Hilfe. Für seine Zukunft habe er keinen besonderen Wunsch, außer sich vielleicht einen Traum aus der Kindheit zu erfüllen und das Spielen eines klassischen Musikinstrumentes zu erlernen. "Ich möchte auf dem Weg gehen, den Gott mir zeigt. So wie Gottes Plan mich nach Rom geführt hat, brachte er mich auch nach Geiselhöring." Nach vier Jahren fern der Heimat kehrt der Priester Mariyadas Peyyala im Oktober, nicht nur wegen der Hochzeit seines Bruders, für immer nach Indien zurück: Im Priesterseminar bei Bombay mit über 700 Priesteramtskandidaten übernimmt er den liturgischen Unterricht zur Ausbildung der Studenten. "Die Eltern sind froh, dass ich wieder heimkomme. Ich war gerne hier in Geiselhöring, die Leute sind sehr nett und freundlich und die Natur ist sehr schön!"

 

Foto und Bericht: Manfred Bick