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Jesus ist auch in unserer Zeit provokativ

Professor Dr. Dr. Hubert Ritt referierte zum Thema “Der unbequeme Jesus

 


Professor Dr. Dr. Hubert Ritt referierte über den vor 2000 Jahren und heute für manche unbequemen Jesus und flocht dabei als Beispiele Erlebnisse aus seinem jahrzehntelangen Wirken als Seelsorger ein.

 

Geiselhöring. Sehr viele Christen versammelten sich in der katholischen Pfarrei Sankt Peter und Erasmus am Montagabend im Saal des Pfarrheims, um sich vom Referat des österreichischen Pfarrers und Universitäts-Professors Dr. Dr. Hubert Ritt (Schärding) zum Thema “Der unbequeme Jesus" im Glauben berühren zu lassen.

 

Der Theologe verstand es auf geschickte Weise, das Thema nicht nur auf die Überlieferungen in der Bibel zu beziehen, die die Menschen zur Zeit Jesu erlebten, sondern auch auf die Christen der heutigen Zeit. “Jesus provozierte zu seiner Zeit die jüdischen Autoritäten auf vielfache Weise", begann Professor Ritt seinen Vortrag, und so sei Christus zum “Stein des Anstoßes" geworden, “weil auch seine Worte und seine Taten, seine Lehre und sein Leben, übereingestimmt haben." Theorie und Praxis hätten bei ihm zusammengepasst, darum konnte er auch so wirksam auftreten. Jesus wandte sich in besonderer Weise den Menschen zu, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt wurden: “Er weiß sich in erster Linie zu den Armen und Kranken gesandt, zu denen, die auf der Schattenseite des Lebens stehen. Diese wurden damals als gottverlassen angesehen, aber nicht von Jesus", erläuterte der Theologe und verwies zugleich auf die Krankenheilungen durch Christus am Sabbat, dem Ruhetag, an dem keine Arbeit verrichtet werden durfte und wodurch sich die Tempeloberen provoziert fühlten: “Jesus hat sich über Gesetze hinweggesetzt, so über das Sabbatgebot, wenn es um das Heil des Menschen geht", erklärte Dr. Ritt: “Der Sabbat ist für den Menschen da und nicht umgekehrt", sei Jesu Lehre und Gottes Liebe zu den Menschen sei grenzenlos. “Christus setzte sich über buchstabentreue Gesetzeserfüllung hinweg. Auch durch seine Wunder wurde Jesus unbequem für die Tempelaristokratie."

Weil Jesus Christus “Vergebung aus Gnade" verkündete, nicht in erster Linie aus Leistung, und weil er dies auch durch die Mahlgemeinschaft mit den Sündern unter Beweis stellte, zog er sich ebenso den Zorn der religiösen Oberschicht zu. Auch, dass er sich ohne jedes Vorurteil mit seiner Heilsbotschaft den Frauen zuwandte, sogar Frauen in die Nachfolge rief und sich mit Sünderinnen einließ, brüskierte die Tempelobrigkeit. Als große Provokation empfanden die jüdischen Autoritäten das persönliche Gottesverhältnis Jesu: “Er spricht Gott als “Abba", Vater, an, was ihm als Gotteslästerung ausgelegt wurde."

Mit noch einigen weiteren Gesichtspunkten, erläutert anhand von Bibelstellen, verdeutlichte Professor Ritt, wie provokativ Lehre und Leben Jesu auf die jüdische Obrigkeit gewirkt haben muss und wie sie sich durch Jesus herausgefordert fühlten und Angst hatten, er könnte eine Gefahr für sie werden.

“Jesus ist aber auch in unserer Zeit enorm provokativ", leitete der Theologe auf die Gegenwart über, weil sein Gebot der Liebe “grenzenlos" sei: “Das heißt: radikale Option für die Armen und uneingeschränkter Ruf zur Barmherzigkeit." Verzeihen falle den Menschen aber oft unendlich schwer.

Auch sei den Christen testamentarisch aufgetragen, dass die Einheit der Christen alle Schranken überwinden müsse, bezog sich Professor Ritt auf die Ökumene. “Wir müssen Hoffnungsträger für die Welt sein. Mit der Nachfolge Jesu ist auch eine Schicksalsgemeinschaft mit ihm verbunden und dadurch wird das Kreuztragen gefordert", was den Menschen nicht gerade leicht falle. Die institutionelle Kirche müsse sich täglich fragen: “Sind wir wirklich Gottes Volk, das vom Gnadenwirken Gottes in unserer Welt Zeugnis gibt? Was würde wohl Jesus zur heutigen Kirche sagen?" stellte der Priester als Frage in den Raum.

Mit auf die Zukunft ausgerichtete Fragen beendete der Bibelwissenschaftler sein Referat über den zu biblischen Zeiten wie heute für manche unbequemen Jesus: “Wird es uns gelingen nach dem Modell Jesu die Jugend für Gott zu begeistern? Im Blick auf Jesus durch tätige Liebe Gott erfahrbar zu machen und im Auftrag Jesu Gottes Friedensbewegung auf Erden zu sein? Wird es uns gelingen Mut für das Neue zu haben und uns den wirklichen Problemen der Menschen zuzuwenden? Jesus braucht frohe Menschen, die seine Botschaft weitergeben und in die Welt tragen. Lassen wir uns im positiven Sinne von Jesus herausfordern", lud der Geistliche die versammelten Christen ein und stand im Anschluss zur Diskussion zur Verfügung.

 

Bericht und Foto: Manfred Bick, Laber-Zeitung