A K T U E L L E S

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Nur ein Mausklick bis zum Grauen

 

Vortrag über die Gefährdung von Kindern und Jugendlichen durch das Internet

 


Internetfahnder Rainer Richard zeigte, welche Gefahren im Internet für
Kinder und Jugendliche lauern und welche nicht leichte erzieherische
Arbeit dabei auf die Eltern zukommt.

 

Geiselhöring. (aha) Das von Kindern und Jugendlichen mit am meisten genutzte Medium ist das Internet. Neben vielerlei positiven Seiten birgt diese Einrichtung gerade für die genannte Altersgruppe aber auch immense Gefahren. Über die Schattenseiten dieses modernen Mediums und die Möglichkeiten, als Eltern dennoch einen sinnvollen und verantwortungsbewussten Umgang damit bei Kindern und Jugendlichen zu erreichen, referierte am Mittwochabend Erster Kriminalhauptkommissar Rainer Richard im katholischen Pfarrheim. Der Pfarrgemeinderat hatte den Vortrag initiiert.

Der Kriminalbeamte und Buchautor leitet in München ein Kommissariat, das sich mit Internetkriminalität beschäftigt. In seinem in Zusammenarbeit mit der Hanns-Seidel-Stiftung zustande gekommenen Vortrag bekamen die Zuhörer zum Teil harte Kost vorgesetzt. Nicht selten schüttelte so mancher im Auditorium fassungslos den Kopf, angesichts der Bilderfakten und der Fälle, die ihnen der Referent anhand von im Original gezeigten Internetseiten beziehungsweise aus seiner alltäglichen beruflichen Arbeit präsentierte. „Da ist es oft wirklich nur ein Mausklick bis zum Grauen“, hat diese erschütternde Tatsache der Referent in einem von ihm mitverfassten Buch bezeichnet.

Rainer Richard begann seinen Vortrag mit der ernüchternden Erkenntnis, dass die Definition „Jugend schädigende Inhalte“ vom kulturellen Umfeld abhängt, sodass welt- oder auch nur europaweit wohl nie ein Konsens erzielt werden kann. Deutschland, so Richard, habe eines der besten und strengsten Jugendmedienschutzgesetze überhaupt, doch Anbieter von Gewalt und Porno im Internet kümmere das wenig, denn in vielen Ländern, etwa in den USA würden viel laschere, manchmal direkt paradoxe Regelungen gelten. So riskiere dort beispielsweise eine Frau, die sich ohne Bikinioberteil an einem Badestrand in der Öffentlichkeit zeige, eventuell sogar eine Gefängnisstrafe, während Internetseiten mit perversester Pornografie oder übelsten Gewaltdarstellungen unter Hinweis auf den Vorrang der Meinungs- und Informationsfreiheit geduldet würden.

Das Umgehen von manchen Zugangskontrollen zu solchen für Kinder und Jugendliche ungeeigneten Internetseiten über gefälschte oder „geborgte“ Kreditkartennummern sei leicht. Mit schockierenden Bildern demonstrierte der Referent, was Kinder dann alles erwartet: Folter- und Vergewaltigung – nicht nachgespielt, sondern echt – sind im Internet leicht zu bekommen. Untersuchungen von jungen Straftätern zeigen, dass das Vokabular der Gewalt oft schon von Kindesbeinen an eingeübt worden war. Internet und Killerspiele erleichtern solche Lernprozesse. Mit entsprechenden Umfragezahlen untermauerte der Internetfahnder diese Aussagen.

Ganz andere Gefahren lauern im Internet, wenn es um Unterhaltung geht. Das so beliebte Tauschen von Musiktiteln über sogenannte Tauschbörsen kann teuer zu stehen kommen, wie der Rainer Richard an Beispielen aus der Praxis demonstrierte. Dabei gebe es durchaus legale Alternativen, insbesondere über die Internetangebote der Rundfunksender. Die Eltern hätten hier eine besondere Verantwortung, denn sie müssen verhindern – erzieherisch oder technisch oder mit entsprechender Software –, dass ihre Kinder illegale Dinge am Computer tun.

Eine weitere nicht zu unterschätzende Gefahr seien im Internet die Chatrooms, die enorm viele Kinder und Jugendliche zur Kommunikation nutzten. Chatrooms laden zum Plaudern ein – und leider auch zum Ausplaudern von Dingen, die man besser für sich behalten sollte. Eine spontane Umfrage bei den Besuchern im Pfarrsaal ergab: Nur wenige der Anwesenden waren schon einmal in einem Chatroom und wissen daher aus eigener Kenntnis, was dort geschrieben und ausgetauscht wird. Deshalb gab der Referent den Eltern als Hausaufgabe: „Besuchen Sie mal einen Chatroom! Informieren Sie sich, was da abgeht!“ Die großen Gefahren sind: Der Dialogpartner ist meist unbekannt, mitgeteilte persönliche Daten könnten missbraucht werden, Verabredungen mit Unbekannten würden getroffen, Exhibitionisten gingen ihren perversen Neigungen nach, Bilder seien leicht mit Fotobearbeitungs-Software zu manipulieren und weiterzuverbreiten. Wie schnell man mit Hilfe moderner Software ein Porträtbild zum Pornobild umgestalten kann, demonstrierte Rainer Richard in seiner Beamer-Präsentation mit einigen Mausklicks.

Was ist zu tun? Der Internetfahnder fasste zusammen: „Sprechen Sie mit Ihren Kindern und klären Sie sie über die Gefahren auf!“ Wirksam würden solche Appelle jedoch nur, so der Referent, wenn Eltern folgende Punkte berücksichtigten: Persönliche Zuwendung ist gefragt, also die richtige Mischung aus Verständnis, Regeln und Kontrolle – aber keine strikten Verbote. Technische Vorkehrungen müssen getroffen werden, also Installation von Filtersoftware und Software für Zugangsbeschränkungen. Die Medienkompetenz der Kinder muss gestärkt werden, damit diese die problematischen Seiten des Internets meiden und die positiven, die es wirklich auch gebe, sinnvoll nutzen können.

 

Bericht und Foto: Alois Hauner, Allgemeine Laber-Zeitung, 08.05.2010.